19
Aug 2008
Posted by
Under Events Music
DISCUSSION 3 Comments

Sziget 2008

7 Stunden Bahnfahrt nach Ungarn, eine anschließende Irrfahrt durch Budapest und zum krönenden Abschluss ein Gewaltmarsch in der Mittagshitze haben sich bezahlt gemacht. Trotz unzähliger Rauchpausen gelangeten wir letzten Endes dann doch zur Insel und stellten fest, dass sich die Anreise 3 Tage vor Festivalbeginn gelohnt hatte: Laut Zählvariable auf dem Armband war ich der 413. Mensch, der die Insel betreten hatte, und dementsprechend leicht fiel es uns auch, einen guten Zeltplatz zu ergattern. Nahe am Strand und im schattigen Wald war es uns ohne Probleme möglich, 9 Tage lang nie vor Sonnenaufgang schlafen zu gehen, dank Ohropax bis mittag zu schlafen und durch einen Sprung in die Donau aufzuwachen.

Obwohl wir drei Tage vor dem ersten Konzert angekommen waren, war Langeweile eher eine Seltenheit, und wir hatten genüngend Zeit, uns einen Ãœberblick über die Insel und die Lage der 60 Bühnen zu verschaffen.

Tag null, bereits unser vierter Tag auf der Insel, wurde eröffnet von wahren Legenden des Heavy Metal, Iron Maiden. Nicht wirklich meine Musik, trotzdem beeindruckend, derartige Giganten live zu sehen. Laut Sänger war dies ihr größtes Konzert aller Zeiten, was angesichts der Menschenmenge mit Iron Maiden-Shirts nicht wirklich verwunderlich war. Wahnsinns Bühnenshow inklusive Feuerwerken, meterhohen, auf der Bühne umherstolzierenden Robotern, Mumien, Pharaonenköpfen, etc.

Am Tag eins quälten wir unsere Ohren kurz mit MGMT, denen klar und deutlich anzusehen war, dass sie keinerlei Erfahrungen mit derartig großen Festivals hatten und einfach nicht wussten, wie sie mit so viel Platz auf der Bühne und so vielen Leuten umzugehen hatten. Danach wurden Flogging Molly auf die tobende Menge losgelassen, und die Stimmung besserte sich schlagartig. Nachdem wir anfangs zu viert versucht hatten, einen Kreis zu bilden, um mehr Platz zu schaffen, und dieser zu einem gigantischen Moshpit vor der Bühne wurde, war klar, dass hier Profis am Werk waren. Nach kurzer Verschnaufpause bei Mercedes Peón wurde es wieder anstrengend, Leningrad brachte die World Music Main Stage zum Kochen. Ich kann ohne zu übertreiben behaupten, noch nie in meinem Leben derartig viele Crowdsurfer auf einmal gesehen zu haben. Ab 22:00 wurden wir endlich mit der bereits so herbeigesehnten Dosis elektronischer Musik verwöhnt, in der Party Arena gaben sich Größen der Drum&Bass Szene wie DJ Bailey, TC (begleitet von MC Jakes) und Chase & Status die Ehre.

Tag zwei wurde noch elektronischer, ausser Bob Marleys Sohn Ky-Mani Marley habe ich meine Zeit weitgehend in den verschiedenen Electro Zelten (ja, Plural!) verbracht, Modeselektor bewundert, Landesgenossen Philipp Straub gesehen, Collins & Benham und Jack de Marseille überlebt und schließlich endlich Vitalic live sehen dürfen. Gewohnt seriös, mit weißem Hemd, Kragen und schwarzem Pullunder, spielte dieser französische Electro-Gott sein Set und hatte dabei offensichtlich mindestens so viel Spaß wie die brodelnde Menge vor ihm. Spätestens bei La Rock und My Friend Dario war wohl kein T-Shirt mehr trocken, und mir wurde bewusst, dass ich länger mehr keine so gute Show mehr sehen würde.

Tag drei war sehr abwechslungsreich, von orientalischen Klängen von Transglobal Underground und Natacha Atlas bis zu österreichischen Jazz-Electro-Beats von Parov Stelar war so ziemlich alles dabei, und nach einer extrem langenweilgen Sex Pistols Show und dem umso besseren Gypsy Sound System schlugen wir wieder den bereits so oft gegangenen Weg zur Party Arena ein, um uns wie jeden Tag bis früh morgens mit elektronischen Klängen berieseln zu lassen. Leider musste Carl Cox aus unbekannten Gründen absagen, und so musste sich die partyhungrige Menge mit Junkie & Hawky, Hot X, DJ Lucca und John Digweed begnügen. Von diesem Tag an erfreute sich bei uns auch das NokiaTerminal steigender Beliebtheit, nachdem der DJ dort mit einem Drum&Bass Remix von Eminems Lose Yourself die Leute zum Abtanzen gebracht hatte.

Am Tag vier sahen wir Róisín Murphy in mindestens 12 verschiedenen Outfits auf der Bühne, gefolgt von Ex – System Of A Down – Sänger Serj Tankian, der wahrscheinlich sogar eingefleischte Fans enttäuschte. R.E.M. waren etwas langweilig, und so wechselten wir bald zu Goran Bregovic, der wesentlich besser wusste, wie man Stimmung macht. Die Nach war noch jung, und wie gewohnt standen noch einige Stunden Electro am Programm, diesmal von Anima Sound System, Slam Jr., dem Österreicher DJ Observer und dem niederländischen Trance-Guru Ferry Corsten.

Am Tag 5, dem letzten und für uns neunten Tag erfüllte sich meine Prophezeiung, und Pendulum sagte ab. Grund dafür war ein Unfall des Buses, der die Instrumente transportierte. Wie ich es vorausgesagt hatte, konnten wir also in aller Ruhe zur Leichenschau (Pete Doherty) gehen und Lee “Scratch” Perry bewundern. Leider waren The Killers auf der ganzen Insel nicht zu überhören, und so verzogen wir uns ins Electro Main Tent, wo DJ Kovary und Palotai bereits Stimmung die Stimmung für Xavier und Gaspard vorheizten. Die verhüllten Wände auf der Bühne ließen bereits das SetUp von Justice vermuten, und nach beinahe 2 Stunden warten war es so weit: Die Vorhänge fielen, athmosphärische Klänge erfüllten den Raum und plötzlich war das leuchtende Kreuz da. Wie erwartet starteten Justice die Show mit Genesis, um danach mit brutal veränderten Versionen ihrer Cross-Tracks aufzutrumpfen. Immer wieder stellte sich die Frage, ob sie nur mit Samples herumspielten, oder ob sie bereits den einen oder anderen Track vom neuen Album anklingen ließen. Was aber klar war, ist die Tatsache, dass es trotz einer Nasenverletzung von Xavier beim Herumstolzieren vor der Wand aus Marshall-Verstärkern keine andere Band am Sziget geschafft hatte, derartige Stimmung zu schaffen, abgesehen von Vitalic vielleicht. Mehr zur Justice Show, sobald ich die Speicherkarte von Zoes Kamera bekomme.

Da wir unsere Zelte bereits abgebaut hatten, konnten wir um 03:00 des zehnten Tages auf der Insel den Heimweg antreten, und schafften es durch viel Fragen tatsächlich den Bahnhof Kelety zu erreichen.

Respekt, falls es tatsächlich jemand geschafft haben sollte, das alles durchzulesen!

  • Benji

    ich habs geschafft :p
    Justice waren auch am Frequency der sehenswerteste Act. Da hat man sogar das schlechte wetter schnell wieder vergessen 😉
    Bei euch wars ja schön die ganze Woche durch soweit ich weiß oder?

  • Jako

    Gratulation, Benji!

    Einmal wars richtig kalt, da hatten wir nur 27°… sagt denk ich mal alles. Rekordtemperatur war 38° bei MGMT. Schön, wenn man dann für 0,6l Bier nur ~1,50€ zahlt und einen Fluss mit Badestrand in der Nähe hat… 😉

    Nie wieder wo anders hin!

  • LifeInMono

    sziget festival is amazing, as has been and as will be.
    and hands up for parov stelar who’re about the first austrian band which was able to NOT support my bad opinion about the most other ones.